Schweissausbruch am Steuer: Wenn die Angst mitfährt

Die Knie zittern, der Puls rast. Angela Hüssi klammert sich am Lenkrad fest, „wenn vor und hinter mir Lastwagen stehen, dann beklemmt mich das total.“ Die 21-Jährige leidet unter Fahrangst, doch als Malerin ist sie aufs Auto angewiesen. Um ihre Ängste loszuwerden, nimmt sie Fahrstunden bei Gianni Sebestin von Let‘ZHgo in Oerlikon. „Vielen macht nicht das Fahren an sich Angst, sondern die Vielfältigkeit des Stadtverkehrs mit all den Trams, Fussgängern und E-Bikes“, sagt der 42-Jährige. Fahrangst – auch bekannt als Amaxophobie – bezeichnet die Angst vor dem Auto oder vor dem Auto fahren im Verkehr. Die Betroffenen malen sich in ihren Gedanken Horrorunfälle aus, meiden Autobahnen und Tunnels. Auch Angela Hüssi drückt nur zögerlich aufs Gaspedal. „Hohe Geschwindigkeit verunsichert mich.“ Der Kreiselverkehr treibt ihr Schweissperlen auf die Stirn. Sie lässt die Kupplung darum nie los. „Ich spüre, dass sie sich in einer Stresssituation befindet und verkrampft“, sagt Gianni Sebestin und ermutigt sie mit seiner ruhigen Art, die Kupplung nach dem Schalten loszulassen.
Auch ältere Frauen buchen bei ihm Auffrischungs-Fahrstunden. „Viele von ihnen sassen jahrelang nicht mehr am Steuer, weil immer der Mann fuhr. Dann
ist er im Spital, sie wollen ihn besuchen, doch sie trauen sich nicht.“ Denn durch fehlende Routine schwindet das Selbstvertrauen. Fahrangst ist weit verbreitet. „Es ist eine enorme Anzahl Menschen, die nicht mehr Auto fährt, weil sie Angst hat“, sagt Hans Frei von Team Humm. Er arbeitet seit 30 Jahren als Fahrlehrer und hat sich auf Fahrangst spezialisiert. „Ich erhalte immer mehr Anfragen von Frauen wie Männern.“ Hans Frei erzählt von einem Mann Mitte dreissig, der immer mit dem Auto in die Berge fährt zum Skifahren. „Im Tunnel bekam er plötzlich Panik und weiche Knie.“ Er nimmt jetzt Fahrstunden gegen seine Fahrangst. „Vertrauen und Glaube in die eigenen Fähigkeiten kann man neu beleben“, sagt Frei. .Es sei wichtig, herauszufinden, woher die Ängste kommen, um wieder Kontrolle über die eigenen Gefühle zu gewinnen. „Die Kraft der Gedanken ist nicht zu unterschätzen.“ Angela Hüssis Fahrstunde ist zu Ende. Die Fahrt verlief gut, sie lächelt. „Ich hoffe sehr, dass ich Freude am Fahren bekomme.“

«Ich hätte mehr Respekt, bei Ihnen auf dem Beifahrersitz zu fahren, als im Fahrschulauto neben meinem allerschlechtesten Schüler», sagt Gianni Sebestin und meint das nicht persönlich. Er ist einer der beiden Fahrlehrer der neuen Doku-Soap «Die Fahrschüler», die ab heute Freitag ab 19.55 Uhr auf Sat 1 Schweiz zu sehen ist. Darin werden vier Anfänger auf ihrem Weg zur Autoprüfung begleitet, regelmässiges Motorabwürgen und Kupplungshüpfen inklusive.Auto fahren lernen wegen Elektrosmog im ÖV

Während man den Fahrschülern mal in die angsterfüllten Augen schauen kann oder sie auf eine Kollision zufahren sieht, sodass man auf dem Sofa mal kurz eine imaginäre Vollbremsung einlegt, drängt sich die Frage auf, warum man freiwillig sein Leben in die Hände von Fahrschülern geben kann, die kaum die Bremse von der Kupplung unterscheiden können und zuerst die Lesebrille aufsetzen müssen, um die Hupe zu finden. «Ich habe ja auch auf meiner Seite alle Pedale und kann notfalls das Lenkrad ergreifen», erklärt Sebestin seelenruhig. Die Fahrschüler meinten vielleicht, sie hätten die Kontrolle über das Fahrzeug, «aber im Grunde bin ich es, der den ganzen Tag fährt, zumindest gedanklich.» Auch Sonja Willi, die zweite Fahrlehrerin der Soap hat «noch nie Angst gehabt».

Die älteste Fahrschülerin in der Soap ist 55-jährig. Sie will aufs Auto umsteigen, weil sie den Elektrosmog und die Klimaanlagen im ÖV umgehen will. Die zweite Frau ist Mitte 20 und wollte sich bislang den anderen Verkehrsteilnehmern nicht zumuten. Die beiden anderen Kandidaten sind Männer: einer 18-jährig, der andere bleibt in der ersten Folge noch ein Phantom, weil er nicht zu seiner Fahrstunde erscheint. Alle tragen beim Fahren einen Pulsmesser, dessen Anzeige bei brenzligen Situationen eingeblendet wird. Das verstärkt wahlweise das Mitleiden oder die Schadenfreude beim Zuschauen.

Rekordhalter brauchte 250 Fahrstunden

Zu unseren eigenen Fahrstunden hat sich viel verändert. Nicht nur, dass Fahrsituationen auch mal am Tablet erklärt werden oder dass die Fahrschüler nach der Prüfung eine dreijährige Probezeit bestehen müssen, auch manche Regeln sind neu. Beim Schalten einen Gang überspringen sei heute erlaubt, genau wie das Übergreifen am Steuerrad. «Früher kriegte man dafür vom Fahrlehrer noch eins mit dem Stäckli auf den Finger», erzählt Sonja Willi, die seit fünf Jahren als Fahrlehrerin tätig ist. Dafür sind heute beispielsweise Flip-Flops beim Fahren verboten, ein Schuh müsse hinten einen Riemen haben. Und was ist mit barfuss fahren? «Das ist gesetzlich erlaubt, aber nicht empfehlenswert.»

25 bis 40 Stunden beim Fahrlehrer und 50 bis 100 Stunden privates Fahren sind durchschnittlich nötig, bis die Fahrschüler bereit für die Prüfung sind. Laut Willi sind Männer meistens schneller bereit für die Prüfung, weil sie die Fahrausbildung oft mit mehr Vorkenntnissen beginnen als Frauen. Sebestinis Rekordhalter in Sachen Fahrstunden war jedoch ein 66-jähriger Mann. «Er schaffte seine Prüfung nach 250 Fahrstunden, am allerletzten Tag, bevor sein Lernfahrausweis abgelaufen wäre.» Je nach Kanton betragen die Durchfallquoten bis zu 40 Prozent. Die grössten Problemzonen der Fahrschüler: Vortrittsregeln, korrektes Einspuren, vorausschauend fahren. Dazu der verflixte Schleifpunkt mit der Kupplung. Wie die vier Show-Fahrschüler das alles im Griff haben und wer am Ende den Führerausweis erhält, kann nun bei «Die Fahrschüler» verfolgt werden. Zur Vorbereitung empfiehlt sich das obige Quiz.

Gianni Sebestin

“Nahm sich für alle Erklärungen Zeit, hatte Geduld, Humor und faire Preise” Lisa K.

“Es gibt sicherlich mit Abstand kein geduldigeren Fahrleher, schliesslich hat er MIR fahren beigebracht.”  Lorena P.

“Die Fahrstunden habe immer Spass gemacht und ich habe immer viel gelernt! Gianni war immer aufgestellt und hat einem immer auf eine lustige Art auf Fehler aufmerksam gemacht.” Alexandra G.

“Cooler Typ, gute Vorbereitung auf die Prüfung, top Auto” Philipp J.

“Ich würde mit keinem fahrlehrer so viel in so kurzer zeit lernen und dabei so viel spass dran haben. Gianni ist einfach sensationel in dem was er macht. Ich freu mich immer auf die stunden mit ihm! Es hat es mit seiner motivation geschafft mir die angst zu nehmen und ich möchte ihn stolz machen so wier er immer stolz au mich ist wen ich etwas gut mache. Das ist der gewinner glaubt mir jemand besseren findet man nicht…. Danke für alles.” Linditha S.

Gianni, der beste Fahrlehrer von Züri Von:
Ginger Hebel

19. März 2013 Gianni Sebestin, der Mitinhaber von Let’ZHgo! in Oerlikon, wurde zum Superfahrlehrer 2012 gewählt. Die Strassen sind sein Leben. Der Zürcher Gianni Sebestin war siebzehn Jahre lang als Lastwagenfahrer unterwegs, fuhr 100 000 Kilometer pro Jahr. Er ist sich an prekäre Strassenverhältnisse gewöhnt und weiss mit den verschiedenen Verkehrssituationen umzugehen. Wenn er hinter dem Steuer sitzt, dann bringt ihn so schnell nichts aus der Ruhe. Seit 2010 ist er Fahrlehrer und offenbar ein sehr beliebter, denn gerade wurde er zum Superfahrlehrer 2012 gewählt. Die Nutzerinnen und Nutzer der iTheorie-App haben über 700 Fahrlehrer aus der Schweiz bewertet. Der 37-Jährige freut sich über die Auszeichnung und kann sich die guten Beurteilungen seiner Fahrschülerinnen und -schüler nur so erklären: «Ich rede immer Klartext, korrigiere gleich während der Fahrt. Ich denke, die direkte Art kommt gut an.» Zusammen mit Samir Radic gehört ihm die Fahrschule Let’ZHgo! Fahrunterricht erteilen sie schweizweit, das Theorielokal befindet sich an der Binzmühle­strasse 15. Auch wenn die Fahrschüler hinter dem Steuer schwitzen und ihnen beim Kuppeln die Knie zittern – Gianni sitzt gelassen daneben. «Ich bin ein geduldiger Mensch und bringe anderen gern etwas bei.» Wichtig findet er, dass man Routine gewinnt und das im Fahrunterricht Gelernte in der Praxis umsetzt, denn Übung macht auch hier den Meister. «Bei mir gibts Belohnungen», sagt er schmunzelnd. Wenn jemand auf einer von ihm gewählten Strecke beispielsweise alle Rechtsvortritte erkennt, dann spendiert er ein Red Bull. Die meisten seiner Fahrschüler wurden durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf ihn aufmerksam oder aufgrund der vielen Empfehlungen im Onlinegästebuch. «Früher war wichtig, dass man sich mit den Verkehrsrechten auskannte, heute muss man im Verkehr mithalten können», sagt Sebestin. Er bringt ihnen bei, wie man anfährt, wie man korrekt schaltet, richtig blinkt und einspurt. Besonders grossen Wert legt er auf die Blicksystematik – Blick in den Innenspiegel, in den Aussenspiegel, Seitenblick, blinken, einspuren. Zwölf Punkte gibt es vor dem Abbiegen zu beachten. Denn was die meisten falsch machen: Sie schauen oft nicht genug und halten zu wenig Abstand. 30 Fahrlektionen brauchen seine Schüler im Schnitt, bevor sie sich zur Prüfung anmelden. Doch Gianni Sebestin geht es nicht nur darum, sie durch die Prüfung zu bringen, er will ihnen den Spass am Autofahren vermitteln. Denn viele Automobilisten fühlen sich vom hektischen Stadtverkehr überfordert, von den Spionen, den Staus, den bei Rot über die Ampel fahrenden Velofahrern. «Wenn das Tram naht, dann bekommen die meisten Panik. Doch im Grunde genommen ist Autofahren in der Stadt einfacher als auf dem Land, wo man mit höherer Geschwindigkeit unterwegs ist», sagt Sebestin. Dem Profi fällt auf, dass sich heute besonders viele Fahranfänger von anderen Verkehrsteilnehmern nervös machen lassen, die Nerven verlieren und überreagieren, wenn einer auffährt oder überholt. Er hat es sogar schon erlebt, dass eine Fahrschülerin mitten auf der Strasse den Autoschlüssel zog und genervt ausstieg, weil hinter ihr einer hupte. «Es sollte einem egal sein, wenn einer hupt, man darf sich davon nicht ablenken lassen. Wichtig ist, dass man versucht, den Verkehr flüssig zu halten.» Zu Gianni Sebestin kommen aber nicht nur Fahranfänger, sondern auch über Sechzigjährige, die den Ausweis längst im Sack haben, sich aber nicht mehr ans Steuer trauen, weil jahrelang immer der Mann fuhr. Doch er ist sich sicher: Autofahren kann man nicht verlernen, wohl aber die Sicherheit verlieren. Er hat sein persönliches Ziel erreicht, wenn Frauen, die ewig nicht mehr selber Auto gefahren sind, bei ihm ein paar Lektionen nehmen und dann sagen: «Gianni, ich hatte keine Freude mehr am Fahren, aber jetzt habe ich sie wieder.» Denn schliesslich sollte man sich auch sicher fühlen am Steuer, wenn Superfahrlehrer Gianni nicht daneben sitzt.  Fahrschule Let’ZHgo! Gianni Sebestin und Samir Radic www.letzhgo.ch

Elektrofahrzeuge sind die Zukunft. Gianni Sebestin von der Fahrschule Let‘ZHgo! will mit der Zeit gehen und bietet jetzt als Erster in Zürich Fahrstunden mit einem Elektrowagen an.Fahrlehrer Gianni Sebestin nimmt hinter dem Steuer Platz und startet den Elektromotor. «Anfangs war auch ich skeptisch, wie sich das Fahren mit einem Elektroauto wohl so anfühlt – aber ich bin begeistert.» Seit zwei Wochen steht in seiner Fahrschule Let‘ZHgo! an der Binzmühlestrasse 15 in Oerlikon ein nigelnagelneuer Renault Zoe – ein Elektroauto. «Andere Fahrschulen bieten das Fahren mit einem Elektroauto noch nicht an. Zwar reden alle über die neuen Fahrzeuge, aber niemand testet sie aus. Wir wollen mit der Zeit gehen und etwas wagen», sagt Sebestin.

Eine Spritzfahrt an der Seite von Fahrlehrer Gianni zeigt: Das Elektroauto fährt nahezu geräuschlos. Viele Männer lieben es, wenn der Motor beim Gasgeben brummt und aufheult – das werden sie beim Elektroauto vermissen, «dafür beschleunigt es schneller als die meisten anderen», sagt Sebestin. Das liegt an der Kraftentfaltung der Elektromotoren. Hier nimmt die Leistung nicht wie beim konventionellen Verbrennungsmotor erst mit steigender Drehzahl zu, sondern sofort. Eine Anzeigetafel im Auto zeigt an, wie viel Strom unterwegs verbraucht wird. Voll aufgeladen reicht er ungefähr für 150 Kilometer. «Nimmt man den Fuss vom Gas, dann ladet sich die Batterie wieder auf», sagt Sebestin. Und wenn der Strom auszugehen droht, dann fährt man zur nächsten Ladestation und lädt den Wagen mindestens 24 Minuten und maximal 2 Stunden auf, schweizweit gibt es momentan etwas mehr als 300 öffentliche Ladestationen. «Anfangs hat man etwas Respekt und hofft einfach nur, dass der Strom nicht plötzlich ausgeht und man mitten auf der Strasse stehen bleibt.»

Seit Gianni Sebestin zum Superfahrlehrer 2012 gewählt wurde (das «Tagblatt der Stadt Zürich» berichtete), kann er sich von Anfragen kaum retten. Wöchentlich muss er einer bis zwei Personen absagen. 25 Schüler hat er unter seinen Fittichen – mehr sollen es nicht werden. «Ich will mich auf jeden Einzelnen konzentrieren und die Übersicht haben», sagt der 38-Jährige. Auch die Fahrschule ist gewachsen. Sie umfasst mittlerweile vier Lehrer und zwei Praktikanten.

Gianni Sebestin glaubt nicht, dass jetzt alle seine Fahrschülerinnen- und -schüler Fahrstunden mit dem Elektroauto buchen möchten, denn sie verfügen alle über ein Automatikgetriebe. Und nur wer den Führerausweis in Gangschaltung macht, kann später beide Varianten fahren. Doch das Elektroauto steht nicht etwa verlassen da: Vier bis sechs Lektionen werden täglich damit gebucht, aus Neugierde und Zukunftsdenken.

www.letzhgo.ch

Gemäss einer Studie der ETH und des EWZ könnten bis ins Jahr 2020 11’200 mit Strom betriebene Fahrzeuge in der Stadt immatrikuliert sein. Von den 13 747 Fahrzeugen, die 2012 in der Stadt neu zugelassen wurden, fuhren gemäss Strassenverkehrsamt lediglich 82 mit Elektroantrieb. Im laufenden Jahr sind es bis jetzt schon 100 von 10’005 neu zugelassenen Fahrzeugen.

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